Den Hörsinn schützen – von Anfang an

Den Hörsinn schützen – von Anfang an

Fast jeder Mensch hat das Geschenk der unterschiedlichen Sinne mit auf die Welt bekommen. Erst über die Sinneseindrücke können Menschen die Welt wahrnehmen, erfahren, einordnen und sich in ihr zurechtfinden. Wie viel „ärmer“ sich die Welt anfühlt, wenn einer der Sinne fehlt, weiß man dann erst in Momenten, in denen einer fehlt. Viele Menschen haben bspw. durch eine Corona-Infektion erlebt, was es bedeutet, wenn der Geschmackssinn nicht mehr funktioniert. Auf einmal macht das Essen keinen Spaß mehr und das ganze gesellige Beisammensein verliert an Genussmomenten. Wie muss es dann erst sein, wenn die Fähigkeiten von Sehsinn oder Gehörsinn zurückgehen? Auf einmal wird die Welt unschärfer oder stiller. Das Teilnehmen und Erleben werden schwieriger, als gäbe es eine unsichtbare Mauer um einen herum. Von daher ist es wichtig, die einzelnen Sinnesorgane von Anfang an zu schützen. Als Hörakustiker von PRO SURDIS fühlen wir in erster Linie dafür zuständig, Sie in allen Belangen des Hörens zu unterstützen und wollen in diesem Beitrag auf die besonders sensiblen Kinderohren eingehen.

Entwicklung des kindlichen Gehörs

Wie mit allen anderen Organen, Muskeln, Knochen, Sehnen, Gliedmaßen etc. bei Kindern, die noch wachsen, sich ausformen und gedeihen, verhält es sich auch mit den Sinnesorganen. Auch diese sind noch in der Entwicklung. Bereits in der 6. Schwangerschaftswoche wird das Hörorgan angelegt. Bis ungefähr zum 3. Monat erkennen Säuglinge die Stimmen ihrer Eltern und nehmen akustische Reize wahr. Bei lauten Geräuschen erschrecken sie. Bis zum 6. Monat beginnen sie nach Geräuschquellen zu suchen und wachen auf, wenn ein Höreindruck zu laut ist. Ab dem 6. Monat interessieren sie sich für Musik und ahmen Tonhöhen nach. Mit ungefähr 9 Monaten können Kinder Geräuschquellen identifizieren, reagieren auf ihren Namen und beginnen Wörter zu verstehen. Die ersten eigenen Worte werden mit einem Jahr gesprochen. Das Kind versteht jetzt eindeutig, ob ein Gebot oder Verbot ausgesprochen wird. Ab dem 2. Lebensjahr können Kinder Fragen, Aufforderungen und Flüstern erkennen. Im Alter von 3 bis 4 Jahren verstehen die Kinder komplexe Sachverhalte und können einzelne Sprachlaute wahrnehmen und differenzieren.

Hörprobleme frühzeitig erkennen

Die folgenden Fragen, abgeleitet von der American Speech Language Hearing Association = ASHA, können bei der Einschätzung der Hörfähigkeit unterstützen, wobei Eltern meist auch von Natur aus eine sehr gute Wahrnehmung für ihre Kinder mitbringen.

  1. Reagiert mein Kind wechselhaft auf Ansprache? Manchmal merke ich eine Reaktion, manchmal keine.
  2. Befolgt mein Kind gegebene Anweisungen direkt?
  3. Wie häufig sagt mein Kind „Wie?“ oder „Was?“
  4. Ist die Sprachentwicklung meines Kindes verzögert?
  5. Ist die Artikulation meines Kindes schwer verständlich
  6. Stellt mein Kind den Fernseher, das Hörspiel oder die Musik permanent lauter?

Achtung: Die unterstützenden Fragen bedeuten nicht automatisch, dass ein Kind schlecht hört. Bei Unsicherheit sollte die Hörthematik auf jeden Fall mit einem Kinderarzt, HNO-Spezialisten oder einem Hörakustiker abgeklärt werden.

Lautstärke im Kinderzimmer

Leider ist den meisten Menschen nicht bewusst, was für überlaute Eindrücke auf Kinderohren einprasseln. Das Kinderzimmer ist oft voll von akustischen Spielzeugen, die Jungen und Mädchen nur allzu gern benutzen. Da gibt es bspw. Rassel, Xylofon und Quietscheentchen, die Kinderherzen höherschlagen lassen. Doch was ist mit der lärmenden Geräuschkulisse? Wie laut genau sind diese Musikinstrumente für die sensiblen Ohren der Kleinen? Ein Xylofon erreicht in Kinderohren schnell mal den Lärmpegel eines Föhns mit ca. 70 – 80 Dezibel. Der Lärmeindruck einer Rassel gleicht dem einer Bohrmaschine mit ca. 80 Dezibel. Am lautesten ist jedoch das Quietscheentchen, das den Lärmpegel eines Flugzeugs mit ca. 130 Dezibel erreicht.

Dauerhafte Beschallung vermeiden

Viele Menschen haben sich angewöhnt, permanent das Radio, den Fernseher oder etwas anderes im Hintergrund laufen zu lassen. Für diese Dauerbeschallung sind Ohren, insbesondere Kinderohren, nicht gemacht. Das Ohr braucht immer wieder Ruhe und Stille, um sich zu erholen, zu regenerieren und auszuruhen. Von daher ist es wichtig, Medien dauerhaft abzustellen und auch nach einem Hörspiel den CD-Player wieder auszuschalten. Die Kinder selbst können nicht einschätzen, wann ihnen die Beschallung zu viel wird, von daher müssen sie von ihren Eltern vor permanenter Lärmbelästigung geschützt werden.

Umgebungslärm außerhalb

Auch in Restaurants, bei Partys, auf Reisen und Ausflügen sind Kinder vielerlei Sinnesreizen ausgesetzt, die für Erwachsene viel einfacher zu verarbeiten sind. Wenn ein Kind nach einer Veranstaltung, dem Besuch eines Weihnachtsmarktes oder einer Hochzeitsfeier schreit, baut es damit die übermächtigen Eindrücke wieder ab. Am besten sollten Eltern ganz behutsam entscheiden, welche Events notwendig oder sinnvoll sind, um ihr Kind vor einem Übermaß an visuellen und akustischen Reizen zu schützen.

Weitere Alternativen

Eine einfache Möglichkeit, das Kind ein wenig vom Umgebungslärm und insgesamt vor zu vielen Eindrücken zu schützen, liegt im Hochklappen des Kinderwagens. Möglicherweise kann noch ein luftdurchlässiges Tuch über den Sichtschutz gehängt werden. Dann gibt es bereits für das Babyalter Gehörschutz zu kaufen. Wenn eine Veranstaltung sein muss, kann das Kind mit den Ohrenschützern vom Lärm abgeschirmt werden. Eine weitere Möglichkeit ist ganz einfach die Vermeidungsstrategie. Eltern müssen bspw. nicht gemeinsam mit ihrem Kind einkaufen gehen, sondern können sich aufteilen, sodass ein Elternteil mit dem Kind zu Hause bleibt und das andere die Besorgungen erledigt. Die Devise heißt hier: Weniger ist mehr. Wenn das Kind geräuscherzeugende Spielzeuge sein Eigen nennt, sollte darauf geachtet werden, dass es diese nicht direkt ans Ohr hält. Auch bei der Wahl der Kita können Erziehungsberechtigte auf den Lärmpegel achten. Besonders bei freien und offenen Konzepten ist es laut. Am besten, man macht sich vor Ort selbst einen Eindruck. In vielen Einrichtungen sind Schnuppertage möglich.

Fazit

Es ist wichtig, dass Eltern ein Bewusstsein dafür bekommen, wie sensibel Kinderohren sind und dass sie sich noch in der Entwicklung befinden. Mit diesem Wissen können sie gezielt die Hörfähigkeit ihrer Kinder positiv beeinflussen, indem zu laute Geräusche, Dauerbeschallung und Lärmbelästigung minimiert werden. Statt zum Einkaufsbummel in die Stadt zu gehen oder sich mit der Freundin in einem lauten Café zu treffen, empfiehlt sich ein gemeinsamer Waldspaziergang oder eine Verabredung am See. Auch die Wahl der Spielzeuge kann verantwortlich erfolgen, sodass das kindliche Ohr nicht überlastet wird. Je natürlicher der Alltag gestaltet wird, umso hörfreundlicher ist er auch. Wir von PRO SURDIS sind in allen Fragen rund ums Hören für Sie da. Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren und vereinbaren Sie gern einen unverbindlichen Termin zur Abklärung einer Hörschwäche in einer unserer Filialen.

Sie wünschen sich kompetente, engagierte und individuelle Unterstützung damit Sie endlich wieder besser hören können? Wir möchten für Sie da sein. Jetzt unverbindlich einen Beratungstermin vereinbaren.