Wie kann die Kommunikation mit einer Hörproblematik gut gelingen?

Wie kann die Kommunikation mit einer Hörproblematik gut gelingen?

10 Tipps für Betroffene und ihre Kommunikationspartner

Wie im vorangegangenen Blogartikel (Wie kann ich mit einer Hörschwäche normal weiterleben?) erläutert, gestaltet sich das Leben und der Umgang mit einer Schwerhörigkeit für die betroffenen Menschen meist als schwierig. Doch nicht nur sie, sondern auch die Personen aus dem Umfeld müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Sie werden teilweise vom Betroffenen nicht ins Bild gesetzt, wissen demzufolge nichts über die Hörschwäche oder sie fühlen sich damit überfordert. Im nachfolgenden Blog-Artikel möchten wir Ihnen zehn nützliche Informationen weitergeben, wie Sie mit einer Hörbehinderung als Betroffener und als Angehöriger umgehen können.

Den Hörverlust kommunizieren

Normalerweise erfährt die Familie als erstes vom eingeschränkten Hörvermögen ihres Angehörigen. Oft ahnen diese schon etwas, bevor sich der Betroffene zu Wort meldet. Unabhängig von deren Mutmassungen oder Unterstellungen ist es für den Hörgeschädigten wichtig, sich zu offenbaren und die Behinderung zuzugeben. Dies schafft nicht nur klare Verhältnisse, sondern gibt auch dem Betroffenen wieder mehr Sicherheit und Klarheit. Doch nicht nur das offene, ehrliche Einweihen der Familienmitglieder ist notwendig, sondern auch die Kommunikation im weiteren Umfeld. Je geradliniger und unmissverständlicher die Hörschwäche erklärt wird, umso einfacher gestaltet sich das neue Leben.

Empfindungen des Hörverlusts erklären

Menschen, die über ein gesundes Hörvermögen verfügen, können sich oft schwer in ihr Gegenüber mit Hörbehinderung hineinversetzen. Um ein gewisses Einfühlungsvermögen und Empathie zu erzeugen, macht es Sinn, den Aussenstehenden das Erleben der Schwerhörigkeit genauer zu beschreiben, sie daran teilhaben zu lassen.

Dabei können folgende Fragen helfen:

  • Wie klingt auf einmal die Welt um mich herum?
  • Wie empfinde ich Gespräche, Musik, Töne und Geräusche?
  • Wie erlebe ich Treffen mit Freunden und Familie?
  • Wie verhalten sich Menschen in meinem Umfeld?
  • Kann ich meinem Leben in gewohnter Weise nachgehen?
  • Wie haben sich andere Sinne verändert?

Eine praktische Möglichkeit wäre es auch, wenn die Angehörigen in einem geschützten Rahmen während eines Gesprächs Ohrstöpsel zu benutzen und so das Erleben selbst nachempfinden.

Nehmen Sie ihre Angehörigen mit zum Hörakustiker

Der Austausch mit einem Experten kann Angehörigen helfen besser zu verstehen, welche tatsächliche Einschränkung der Betroffene hat und welche Herausforderungen auf ihn und sein Umfeld zukommen. Sie haben die Möglichkeit Fragen zu stellen, sich Behandlungsmöglichkeiten und auch Grenzen erklären zu lassen oder Sie als Betroffenen in dieser neuen Umgebung zu erleben.

Den Gefühlen Raum und Stimme geben

Berichten Sie den Menschen in Ihrer unmittelbaren Umgebung, wie es Ihnen geht und was für Emotionen die neue Lebenssituation mit sich bringt. Scheuen Sie sich nicht auch Frustration, Wut und Traurigkeit zu verbalisieren. Je mehr Sie sich öffnen, umso besser können Sie verstanden werden. Das Spukgespenst Schwerhörigkeit kann dadurch seinen Schrecken verlieren und auch die Beziehung zu Ihren Angehörigen wie dem Partner und der Familie stärkt und stabilisiert sich. Verwundbarkeit und Ehrlichkeit sind die Wege zu einer echten Partnerschaft.

Frieden schliessen

Wenn Sie es schaffen, mit ihrer neuen Lebenssituation Frieden zu schliessen und bereit sind, sich darin mit allen dazugehörigen Aufgaben zurechtzufinden, schaffen das auch die anderen. Wie Sie es schaffen, diesen neuen Weg zu finden, berichtet der vorangegangene Blog-Artikel. Machen Sie Ihren Hörverlust zu einem ganz normalen Teil der Familiendynamik.

Best Practices

Erarbeiten Sie mit Ihren Angehörigen sogenannte praktische Regeln, damit das neue Zusammenleben so unkompliziert und reibungsfrei wie möglich funktionieren kann. Dazu gehört, Ihren Familienmitgliedern mitzuteilen, was nötig ist, um Ihr Verstehen maximal positiv zu beeinflussen. Dabei sollten Sie so spezifisch wie möglich sein, damit Ihre Umgebung Ihre Bedürfnisse versteht und darauf eingehen kann. No-gos wären bspw. sich anschreien zu lassen oder ans Ohr zu lehnen, um zu sprechen.

Gemeinsam stark sein

Es gibt in jeder Stadt Vereine oder Gruppen von gleichfalls Betroffenen, an die man sich wenden kann, um Unterstützung, Gemeinschaft und Zusammenhalt zu erfahren. Auch kann man sich hier einbringen und für andere hörgeschädigte Menschen engagieren. Da gibt es sogenannte Selbsthilfegruppen und andere Organisationen, die das Ziel haben, das Stigma Schwerhörigkeit auszugleichen und Betroffene als wertvollen Teil der Gesellschaft zu integrieren.

Vereinbarte Signale erleichtern den Umgang

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Vereinbarung von einem knappen eindeutigen Handzeichen hilft, seinem Gegenüber deutlich zu machen, etwas nicht verstanden zu haben. Über dieses unmittelbare Verstehen kann die ganze Situation erleichtert werden und Sie als Betroffener müssen sich nicht immer wieder erklären.

Das Gesamte Spektrum der neuen Technologien nutzen

Seien Sie hier experimentierfreudig und versuchen Sie verschiedene Dinge aus, die uns Forschung und Wissenschaft zur Verfügung stellen. Betroffene können mit ihren Angehörigen die unterschiedlichsten technischen Möglichkeiten ausprobieren und damit versuchen, Hörbarrieren aufzuheben. Dazu zählen Funkanlagen, Bluetooth-Geräte, Kopfhörer und vieles mehr.

Den Humor nicht vergessen

So schwierig und neu die Situation scheint, versuchen Sie diese ab und an mit Humor zu nehmen. Dazu bieten sich auch Momente an, in denen Sie etwas nicht oder ganz abwegig verstanden haben. Humor lockert das Leben, Sie selbst und auch Ihre Angehörigen auf. Er hilft auch, die Schwerhörigkeit als normalen Bestandteil des Lebens zu begreifen und anzunehmen.

Fazit

Nehmen Sie die Möglichkeit an optimal für sich zu sorgen, indem Sie die oben aufgeführten Tipps nutzen. Durch ehrliche Kommunikation, gute Beratung, bewusste Sensibilisierung und klare Aufstellung von Dos und Dont’s können so viele schwierige Situationen bereits im Vorfeld entschärft werden. Das Miteinander im Zusammenhang einer Hörbehinderung ist anders, aber machbar. Lassen Sie Ihr Umfeld an Ihrer neuen Welt so gut wie möglich teilhaben. Wir von PRO SURDIS verstehen Sie und wissen welche Gedanken und Gefühle in Betroffenen aufsteigen. Gerne beraten wir Sie zu allen Themen rund ums Hören, können Ihnen Empfehlungen weitergeben und Selbsthilfegruppen empfehlen. Wenden Sie sich vertrauensvoll an uns. Wir sind von Herzen gerne für Sie da.

Sie wünschen sich kompetente, engagierte und individuelle Unterstützung damit Sie endlich wieder besser hören können? Wir möchten für Sie da sein. Jetzt unverbindlich einen Beratungstermin vereinbaren.