Wie kann ich mit einer Hörschwäche normal weiterleben?

Wie kann ich mit einer Hörschwäche normal weiterleben?

Manchmal im Leben werden wir Menschen durch Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen. Wir fühlen uns dann ausgeliefert, ohnmächtig, unglücklich, wütend, vom Leben enttäuscht und verzweifelt. Der Gedanke, im Stich gelassen worden zu sein, bemächtigt sich unseres Lebens und unserer Welt. Wo wir hinschauen, entdecken wir Dinge, die uns schmerzen und den inneren Zustand immer mehr verstärken. Viele Menschen, die plötzlich oder auch schleichend mit einer Beeinträchtigung des Hörens zu tun haben, erleben die ganz normalen Phasen einer Trennung. Zwar ist es kein Abschied von einem geliebten Menschen oder Partner, doch läutet eine solche Veränderung einen neuen Lebensabschnitt ein.

Die Trennungsphasen zulassen

Ungewollte Veränderungen erleben wir oft als schmerzhaft. Sie sind eine Art Trennung, da wir uns von Altem und Wohlbekanntem lösen müssen. Aus diesem Grund durchlaufen wir auch hier die normalen Phasen eines Trennungsprozesses:

  • Verleugnung
  • Wut
  • Trauer
  • Neuausrichtung

Verleugnung:
Bei der Verleugnungsphase tun wir so, als wäre nichts passiert und alles beim Alten. Wir wollen die Veränderung nicht wahrhaben.

Wut:
In der nächsten Phase akzeptieren wir, dass etwas geschehen ist. Die Wut erwischt uns nun mit eiskalter Faust. Wir fühlen Zorn, Ärger und gegebenenfalls auch Hass über die Veränderung.

Trauer:
In der Trauerphase durchleben wir den Abschied vom Alten. Wir sind unglücklich, traurig, sehnsüchtig und melancholisch. Wir nehmen wahr, dass der vergangene Zustand vorbei und verloren ist.

Neuausrichtung:
Erst nach dem Durchleben dieser Phasen beginnt die innere Knospe einer neuen Möglichkeit in uns zu wachsen. Wir akzeptieren, neu anfangen zu müssen und finden zaghaft Pläne und Ideen, diesen Neubeginn zu gestalten.

Jede dieser Phasen im Trennungsprozess ist wichtig und notwendig. Es macht daher auch keinen Sinn, sich bspw. einzureden, dass alles kein Problem wäre oder es ja nur „halb so schlimm“ ist, ohne tatsächlich getrauert zu haben. Wir haben etwas verloren und jedes Recht, uns innerlich davon zu verabschieden.

Sich mit motivierenden Menschen umgeben

In Situationen, in denen man nicht weiterweiß, hilft es, Personen in seinem Umfeld zu haben, die mit einem zusammen die ganzen Phasen des Abschieds und des Neubeginns in Anteilnahme durchleben. Sie geben Verständnis, Geduld, Hilfsbereitschaft und Zeit, versuchen aber auch in die Zukunft hinein zu unterstützen und bestärken uns den Schritt ins Unbekannte zu wagen. Im Gegensatz dazu nützt es uns als Betroffenem nichts, Menschen um uns zu wissen, die das Gefühl vermitteln, selbst Aufbauhilfe zu brachen, um mit unserem Schicksalsschlag zurechtzukommen. Diese Personen leiden mehr als wir selbst. Anstatt, dass sie für uns da sind, müssen sie getröstet und beruhigt werden. Diese Freunde ziehen uns eher herunter und verhindern den Heilungsprozess bzw. den neuen Anfang. Im Sinne des Selbstschutzes ist es bedeutsam, solchen Personen ein ehrliches Feedback zu geben und im Notfall vielleicht sogar den Kontakt zu vermeiden – zumindest in der Anfangszeit.

Positivbeispiele finden

Wenn wir mit einem neuen Leben weitermachen wollen, helfen uns die Geschichten von Menschen, die ein ähnliches Schicksal hatten und weitergemacht haben. Menschen, die ihren eigenen Weg gefunden haben, mit einem Schicksalsschlag umzugehen, ihn zu meistern und trotzdem glücklich und zufrieden werden. Erst vor kurzem hat der erste Mensch mit Trisomie 21 einen Triathlon gemeistert. Die schwerhörige Schauspielerin Marlee Matlin gewann einen Oskar für ihre Debutrolle in dem Film „Gottes vergessene Kinder“. Der schwerhörige Kampfsportler Benjamin Pivko begründete eine eigene Kampfkunstart, war Ausbilder bei den Navy Seals, schaffte es ins Let’s-Dance-Finale und erhält Rollen in Fernsehfilmen. Ludwig van Beethoven komponierte sein berühmtestes Stück „Ode an die Freude“ bereits mit kompletter, beidseitiger Ertaubung. Diese Geschichten rühren uns an, erreichen unser Inneres, begeistern, motivieren und geben uns das Gefühl, es auch schaffen zu können. Hier in unserem Blog-Bereich sind eine ganze Menge dieser inspirierenden Persönlichkeiten zu finden, die sich aller Hindernisse zum Trotz oder genau durch diese inspiriert fühlten, der Welt und sich selbst zu beweisen, was alles möglich ist.

Akzeptieren, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Haben wir erst einmal die vierte Phase der Neuausrichtung erreicht, wird das Leben wieder leichter, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“ (Hermann Hesse). Diese Zeilen spenden Mut und Hoffnung, denn so erschlagend sich ein Neuanfang auch anfühlt, beherbergt er doch so viele Möglichkeiten, Chancen und Überraschungen in sich. In der nun anbrechenden Zeit können sich Betroffene überlegen, wie sie mit ihrer Höreinschränkung umgehen wollen. Sie können im Internet alle Angebote durchforsten und erfahren, wie sich andere geholfen haben. Sie erhalten Zugang zu medizinischen Erläuterungen und Möglichkeiten. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Hörakustiker stehen innerhalb ihrer Sprechstunden und Öffnungszeiten zur Verfügung, um eingehend zu diagnostizieren und zu beraten.

Offen kommunizieren

Für Menschen in der westlichen Welt ist es nicht einfach, Schwäche zu zeigen oder eigene, gedachte Unzulänglichkeiten zuzugeben. Menschen mit einer Hörthematik schämen sich oft oder fühlen sich als minderwertig mit ihrer Einschränkung. Trotzdem geht nichts über das ehrliche und offene Kommunizieren über dieses Thema hinaus. Verstecken wir diesen so von uns deklarierten Makel, fällt es uns viel schwerer in der Welt und mit den Personen darin zurechtzukommen. Sie empfinden uns als unhöflich, weil wir nicht zuhören, begriffsstutzig sind, weil wir nicht richtig verstehen oder abweisend sind, weil wir nicht reagieren. All diese Interpretationen schaden uns mehr als eine offene Ansprache, dass wir Probleme mit dem Hören haben. Die meisten Menschen reagieren verständnisvoll, hilfsbereit und freundlich, wenn sie darum wissen.

Pausen für sich einbauen

Alles Neue benötigt Zeit, Geduld und Hingabe. Vielleicht funktioniert das Hörgerät noch nicht optimal, möglicherweise gab es Rückschritte im Hörtraining, eventuell gestaltet es sich als schwierig, die Zeichensprache zu erlernen oder die neuen Pläne für das neue Leben lassen sich noch nicht umsetzen wie geplant. All das sind normale Problematiken, die auftauchen können. Hier heißt es, nicht aufzugeben und nicht zu verzweifeln. Mit ausreichenden Pausen und Tankstellen für sich selbst können wir lernen immer wieder im Neuen anzukommen oder uns auf den neuen Weg auszurichten. Für das Gelingen des kommenden Lebensabschnittes helfen Achtsamkeit und Ruhe. Wir können uns ins Gedächtnis rufen, dass sich etwas geändert hat und dass wir uns das Recht eingestehen, dieser Erneuerung immer wieder den nötigen Raum zu verschaffen. Ohne Selbstvorwürfe oder Selbstkritik, sondern mit dem inneren Wissen, dass eben alles seine Zeit braucht.

Fazit

Schicksalsschläge kommen unvermittelt in unser Leben, stellen es auf den Kopf und reißen uns aus der Mitte. Ein Hörverlust oder eine zunehmende Hörschwäche gehören zu diesen Herausforderungen, die das Leben an uns stellt. Doch auch diesen neuen Lebensabschnitt können wir meistern lernen, wenn wir uns die nötige Zeit geben, uns unterstützende Menschen in unser Leben lassen und ehrlich zu uns selbst und zu unserer Umwelt sind.

Sehr oft kann die heutige Medizin und Technik weiterhelfen, den Zustand verbessern oder mindestens eine Verschlechterung aufhalten. Es gibt viele Mittel und Wege, mit einer Einschränkung im Hören ein zufriedenes und glückliches Leben zu führen. Wir von PRO SURDIS möchten Sie auf Ihrem neuen Weg für mehr Hörqualität begleiten und haben das Ziel, sie bestmöglich darauf zu unterstützen. Dabei greifen wir auf unsere Expertise, Fachwissen, jahrzehntelange Erfahrung und unser Einfühlungsvermögen zurück. Melden Sie sich gerne zu einem unverbindlichen Erstgespräch in einer unserer Filialen. Wir freuen uns auf Sie.

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